Auditorenausbildung – mehr als eine vertiefende QM-Ausbildung

Aktuelle Schulungskonzepte für Auditoren


Die gängigen Schulungskonzepte für Auditoren folgen einem einfachen Schema:

Grundlage ist eine allgemeine QM-Ausbildung (z.B. QM-Beauftragter) die dann um ein Auditmodul ergänzt wird, in dem im Wesentlichen Softskills vermittelt werden.

In einigen Branchen werden noch Sonderthemen, wie Prozessaudit oder Q-Methoden, ergänzt.


Dies hat zum Teil fast schon absurde Auswirkungen.

So werden für Auditoren in der Automobilbranche in der IATF 16949 explizit Kenntnisse zu "Automotive Core Tools" gefordert. Dies führt dazu, dass die Auditoren diese Trainings zahlreich besuchen. Jedoch diejenigen, die diese Tools anwenden sollen, wie Prozessplaner, Lieferantenmanager und Entwickler, tun dies fast nie.


Es wird viel Aufwand für die Ausbildung von Auditoren betrieben. Die Wirksamkeit ist aber zumindest fraglich.

Die von der "International Automotive Task Force" veröffentlichten Ergebnisse der Zertifizierungsaudits zeigen seit Jahren immer wieder Abweichungen bei internen Audits. Das muss nicht nur auf die Kompetenz von Auditoren zurückgeführt werden,- sollte aber zumindest bezüglich dieser nachdenklich machen.
















Die Verantwortlichen für die Kompetenz der Auditoren sind mit einer Vielzahl von Regelungen und Halbwissen in der Organisation konfrontiert.

Muss ein Auditor ein Personenzertifikat haben? Gibt es eine festgelegte Anzahl

an Ausbildungstagen und Pflichtthemen?

Wer darf Auditoren ausbilden?

Muss es eine Prüfung geben und wenn ja, wer darf sie abnehmen?



Die Antworten auf diese Fragen bei den eigenen Auditoren zu suchen, kann funktionieren… muss es aber nicht. Wenn sie schlecht ausgebildet wurden, werden Sie keine zuverlässige Antwort bekommen. Wenn die Auditprinzipien nicht von den AuditorInnen verinnerlicht sind, werden sie sich das nicht eingestehen, ein klassisches Henne-Ei-Problem.


Es ergibt also Sinn, sich dem Thema Qualifikation und Kompetenz von Auditoren umfangreich und objektiv zu widmen.


Ein Zugang wäre bei den gängigen Bildungsdienstleistern nach Informationen zu suchen. Hier findet man z.B. den Leitfaden für Personenzertifizierung. Das Problem an diesem ist, wie man auf der ersten Seite bereits sehen kann, dass die Bildungseinrichtungen, die mit der Objektivität ihres Abschlusses werben, die Regeln dazu selbst verfasst haben. Ein gewisses Eigeninteresse darf hier wohl unterstellt werden. Dies sollte zumindest kritisch hinterfragt werden.


Eine normative Forderung nach diesem Ausbildungskonzept gibt es jedoch nicht. Deshalb sollte der Start der Betrachtung die ISO 19011:2018 sein.


Grundlage für neue Konzepte


Die ISO 19011 ist der Leitfaden für die Auditierung von Managementsystemen. Auf diese Norm verweisen alle Managementsysteme in Kapitel 9.2 (Audit), welche damit eine allgemeingültige Grundlage bildet.

Hier wird nicht nur ein moderner, risikobasierter Ansatz für Audits beschrieben. Darüber hinaus werden auch die Anforderungen an Ausbildung, Weiterbildung, persönliche Eignung und Kompetenz von Auditoren beschrieben.


„Das Vertrauen in den Auditprozess sowie in die Fähigkeit, dessen Ziele zu erreichen, hängt von der Kompetenz derjenigen Personen ab, die in die Durchführung der Audits einbezogen sind, einschließlich der Auditoren und Auditteamleiter.“ [1]


In Kapitel 7.2.1 werden Faktoren benannt, die in die Entscheidung, was die nötige Kompetenz für einen Auditor ist, einfließen müssen. Die erste wichtige Erkenntnis ist:


Es gibt keine einheitliche Antwort für alle Arten von Organisationen und Managementsystemen.